
Diese Woche ist der Himmel blau und ich gehe wählen.
Am Wochenende hätte meine Oma Geburtstag gehabt, sie wäre dann 103 geworden. Ich hoffe, es gibt Torte im Himmel, denn meine Oma war die Königin der Torten. Torte gab es zu wichtigen Anlässen und
Anlässe hatten für meine Großeltern eine Bedeutung. Der Wahlsonntag war einer davon. Ich sehe sie, wie sie ihre Mäntel anziehen und Hut aufsetzen. „Was wählt ihr?“, habe ich als Kind gefragt.
Wählen schien eine geheimnisvolle und aufregende Sache zu sein. Meine Großeltern erklärten mir, was ein Wahlgeheimnis ist und warum das was mit Freiheit zu tun hat. Denn sie hatten erlebt, wie es
ist, wenn die Demokratie stirbt. Mein Opa konnte sich über das Gebrüll eines Hitlers ereifern, er hat später viele, viele Dokumentationen geschaut. Auch mit mir. Manchmal schüttelte er sich.
Wieder und wieder fragte er: Wie konnten wir so verblendet sein? Wieso haben wir das zugelassen? Willst du mit solchen Leuten am Kaffeetisch sitzen?
Vielleicht ist das nicht das entscheidende Wahlkriterium, aber ein Gradmesser ist es schon: Mit wem würde ich Omas Torte teilen? Sicher nicht mit den Lautesten. Sicher nicht mit Schreihälsen, die
ihre Häme und Hetze über Omas Kaffeetisch ausschütten. Solchen Leuten traue ich auch sonst nichts Gutes zu.
Postkarte: www.editionahoi.de
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Gregor (Mittwoch, 05 März 2025 21:25)
Schreihälse und Stammtischparolenrufer*innen haben noch nie gute Politik gemacht! Nur wertschätzende Kommunikation führt zu einem guten Miteinander der Menschen. (Wer schreit, dem fehlen gute Argumente!) Vielen Dank für diesen mitmachenden Text.
Gundolf (Samstag, 08 März 2025 11:03)
Liebe Susanne,
Danke für deine Zeilen. Die Idee, zu überlegen mit wem ich die Torte teilen möchte, finde ich einen interessanten Ansatz, den muss ich mir merken, der passt nicht nur für Politik, sondern auch im Zusammenhang mit Kollegen und Kolleginnen. Auch da gilt immer wieder: wer laut ist, der hat meistens kein Recht.
@Gregor: wie war.
Bleibt behütet und gesegnet❣️